Resilienz im Arbeitsschutz
Resilienz bezeichnet beim Menschen die innere Widerstandsfähigkeit. Diese psychische Widerstandsfähigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass Personen mit hoher Resilienz Krisen und Rückschläge besser aushalten können und sie ihnen scheinbar weniger ausmachen. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Lateinischen „resilire“, was „zurückspringen“ bedeutet, und seinen Ursprung in der Materialkunde hat. Hier bezeichnet er Stoffe, die auch nach starker Beanspruchung, Druck oder Verformung wieder in ihren Ursprungszustand zurückkehren. Auf den Menschen bezogen: Schafft er es nach hoher psychischer Belastung, durch beispielsweise ein Trauma, trotzdem wieder zurück in sein Gleichgewicht zu finden, hat er eine hohe Resilienz. Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Es geht vor allem darum, Belastungen nicht einfach aus dem Weg zu gehen, sondern den richtigen Umgang mit ihnen zu lernen. Welche Auswirkungen dieser Begriff auf die Arbeitswelt hat und vor allem auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz, das zeigen wir in diesem Blogbeitrag.
Warum psychische Widerstandsfähigkeit heute zum Arbeitsschutz gehört
Fehlzeitenstatistiken zeigen, dass vor allem die psychische Belastung bei Mitarbeitenden deutlich zunimmt. Damit einher gehen erhöhte Fehlzeiten.
Laut Fehlzeitenreport 2024 der AOK stieg die Anzahl der durch Burnout bedingten Arbeitsunfähigkeitstage pro 100 Beschäftigten von 100 Tagen (2014) auf fast 184 Tage im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg von ca. 84 % in 10 Jahren.
Auch wenn psychische Erkrankungen „nur“ 4,8 % aller Arbeitsunfähigkeiten ausmachen, fallen Mitarbeitende im Durchschnitt mit 28 Tagen am längsten aus.
Das zeigt deutlich: Es besteht gesellschaftlicher Handlungsbedarf. Hier können nicht nur Personen individuell handeln, sondern auch Unternehmen können unterstützend eingreifen, um die Fehlzeiten zu senken und die psychische Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.
Der Arbeitsplatz als Risiko und Schutz
Was zuerst einmal wie ein Widerspruch in sich klingt, lässt sich einfach erklären: Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit auf der Arbeit. Damit ist dies ein Ort, der sie maßgeblich beeinflusst. Je nach Arbeitsumgebung kann diese ein Risiko für die mentale Gesundheit darstellen oder, mit den richtigen Maßnahmen, die Resilienz stärken und die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden schützen.
Fehlzeiten entstehen aktuell oft durch psychische Beschwerden. Burnout, Depressionen und Erschöpfung nehmen zu und betreffen ca. 30 % der Erwerbstätigen in Deutschland.
Der Arbeitsplatz birgt psychische Risiken, bietet aber auch Ansatzpunkte für Intervention. Gerade hohe Belastungen im Arbeitskontext können zu Fehlzeiten durch bspw. Burnout führen.
Was kann zu erhöhten psychischen Belastungen der Arbeitnehmenden führen?
- Unsichere Arbeitsplätze
- Hohe Anforderungen
- Geringe Entscheidungsspielräume
- Wenig Mitgestaltungsmöglichkeiten
- Unklare Aufgabenverteilung
- Unzureichende Kommunikation
Was Arbeitgeber*innen tun können und müssen
Es gilt zu verstehen, dass auch hier der präventive Ansatz wirkt, der heutzutage auch in der Arbeitsmedizin gelebt wird. Eine Fokussierung auf Resilienz statt auf Krankheit, bringt Chancen für die Entwicklung passender Strategien.
So können Unternehmen die Resilienz ihrer Mitarbeitenden aktiv stärken und fördern.
Psychische Gefährdungsbeurteilung: Gesetzliche Verpflichtung für Unternehmen
Wieso müssen sich Arbeitgebende auch Gedanken um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden machen? Um Arbeitsbedingungen zu schaffen, die nicht nur gut für Mitarbeitende sind und Fehlzeiten möglichst zu senken, sondern auch, weil es das Gesetz vorschreibt.
Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) schreibt in § 5 die Beurteilung der Arbeitsbedingungen vor, inklusive der Ermittlung möglicher Gefährdungen und der Maßnahmenentwicklung für den Arbeitsschutz. Hier werden bei den Möglichkeiten für Gefährdungen explizit „psychische Belastungen bei der Arbeit“ aufgelistet.
Resilienz im betrieblichen Kontext ist eine Systemaufgabe. Der Ansatz bei einzelnen Mitarbeitenden bringt meist nur kurzzeitige Effekte. Wenn sich grundlegend etwas ändern soll, sollte systematisch geschaut und optimiert werden:
- Wie sind Arbeitsprozesse gestaltet?
- Wie viel Handlungsspielraum haben Beschäftigte?
- Wie ist die Führungskultur?
- Gibt es strukturelle Schutzfaktoren?
Tipps zur Stärkung der eigenen Resilienz
Resilienz ist nicht angeboren und kann im Laufe des Lebens gelernt und gestärkt werden. Verschiedene Strategien zur Stressbewältigung sowie ein konstruktiver Umgang mit Krisen und Veränderungen helfen dabei, sie zu lernen.
Eigene Denkmuster reflektieren
Selbstwirksamkeit stärken
Stressbewältigungsstrategien lernen
Soziale Kompetenzen stärken
Realistische Zielbilder entwickeln
Fazit
Resilienz als Faktor im Arbeitsschutz

Resilienz hilft uns dabei, mit Stress, Veränderungen und schwierigen Situationen umzugehen. Sie ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt, doch jeder kann sie lernen und stärken.
Arbeitgeber*innen sind gesetzlich dazu verpflichtet, auch die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen. Dazu können sie die Arbeitsbedingungen entsprechend anpassen und auf der anderen Seite auch Angebote machen, um die Resilienz der Beschäftigten bewusst zu stärken.
Resilienz ist kein Luxusthema, sie ist ein konkreter Schutzfaktor, der Ausfallzeiten reduziert, die Arbeitgeberattraktivität steigert und Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig macht.
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